Workshop Vision 2035 Teil 2: Pflege und Teilhabe neu denken: Nachbericht

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Bildlizenz: Christian.Ressel@hsrw.org. Die Bilder sind honorarfrei unter Nennung des Bildnachweises verwendbar. CC BY-SA 4.0

Pflege und Teilhabe neu denken: Technik unterstützt Pflegekräfte und stärkt Selbstständigkeit

Mehr als 50 Teilnehmende beim zweiten Workshop der Reihe „Vision 2035 – Leben mit Unterstützungsbedarf am Niederrhein“ am 24. Juni 2026 an der Hochschule Rhein-Waal

Kamp-Lintfort. Pflege und Unterstützungsangebote stehen vor großen Herausforderungen: Der Bedarf steigt, während es immer schwieriger wird, ausreichend Fachkräfte zu gewinnen. Wie technische Lösungen Pflegekräfte im Alltag entlasten, Qualität sichern und Menschen mit Unterstützungsbedarf ein selbstbestimmteres Leben ermöglichen können, stand am 24. Juni 2026 im Mittelpunkt des zweiten Workshops der Reihe „Vision 2035 – Leben mit Unterstützungsbedarf am Niederrhein“.

Wegen Temperaturen von über 35 Grad wurde die Veranstaltung kurzfristig in die klimatisierten Räume des AIS-Labs der Hochschule Rhein-Waal verlegt. Dort kamen mehr als 50 Teilnehmende aus Wissenschaft, Kranken- und Pflegekassen, Pflegeanbietern, Wohlfahrtsorganisationen, Kommunen sowie Unternehmen aus dem Bereich assistiver Technologien zusammen.

Zu Beginn ordnete Prof. Dr. Christian Ressel als Vertreter der ZAT-Leitung den Workshop in die Reihe „Vision 2035“ ein und fasste zentrale Ergebnisse des Auftaktworkshops zusammen. Im Mittelpunkt standen dabei die Herausforderungen, die die Region in den kommenden Jahren bewältigen muss: demografischer Wandel, Fachkräftemangel, verändertes Mobilitätsverhalten sowie das Aufkommen von Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung. „Die Herausforderung der kommenden Jahre lösen wir nicht allein mit Technik. Aber ohne sinnvoll eingesetzte Technik werden wir Pflege und Unterstützung in der bisherigen Qualität kaum sichern können“, betonte Prof. Dr. Christian Ressel.

Enrico Löhrke von der inHaus GmbH zeigte anhand konkreter Projekte, wie technische Lösungen Pflegeeinrichtungen und Pflegeanbieter bereits heute unterstützen können. Dabei ging es unter anderem um intelligente Umgebungen, digitale Assistenz und Technologien, die Abläufe erleichtern, Sicherheit erhöhen und Pflegekräfte im Arbeitsalltag entlasten.

Dr. Dorothée Schlebrowski und Elias Wildförster vom Sozialwerk St. Georg ergänzten diese Perspektive aus Sicht eines Pflegeanbieters. Sie berichteten, dass es bereits heute schwierig sei, eine ausreichende Zahl an Pflegekräften zu gewinnen. Technik könne hier helfen, Menschen nicht zu ersetzen, sondern Pflegequalität zu sichern und weiterzuentwickeln. Zugleich schilderten sie, wie wichtig ein gut begleiteter Einführungsprozess ist: Neue Lösungen müssten zu den Abläufen, den Mitarbeitenden und den Bedürfnissen der unterstützten Menschen passen, um in Einrichtungen dauerhaft erfolgreich eingesetzt zu werden.

Im Anschluss präsentierten Unternehmen aus der Region neue Produkte und Entwicklungen, die Menschen im Alltag unterstützen können. Das Spektrum reichte von Hilfen zur Alltagsstrukturierung über Urinanalytik für den Einsatz zu Hause bis hin zu Robotiklösungen, etwa Roboterarmen zur Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme. Die Präsentationen machten deutlich: Viele Technologien, die lange als Zukunftsmusik galten, sind bereits verfügbar und können heute sinnvoll eingesetzt werden.

Ressel berichtete außerdem über eine neue Kooperation zwischen der Stadt Moers und dem ZAT. Im Rahmen eines Innovationscampus zu Pflege, Gesundheit und Assistenz sollen künftig gemeinsame Visionen entwickelt und regionale Entwicklungsprozesse angestoßen werden. Ergänzend wird mit der Gründung eines ZAT-Vereins eine Struktur geschaffen, um Kompetenzen und Ideen aus Kommune, Praxis, Wissenschaft und Wirtschaft noch stärker zusammenzuführen. So können Synergien genutzt und Impulse aus der Workshopreihe gezielter in gemeinsame Vorhaben überführt werden.

Der Workshop bot damit nicht nur Informationen über technische Möglichkeiten, sondern auch Raum für Fragen, Erfahrungen und neue Ideen. Ziel der Reihe „Vision 2035“ ist es, Akteure aus Praxis, Kommune, Wissenschaft, Kostenträgern und Wirtschaft zusammenzubringen und gemeinsam darüber nachzudenken, wie Leben mit Unterstützungsbedarf am Niederrhein künftig gestaltet werden kann. Weitere Informationen zur Workshopreihe und zum Zentrum für Assistive Technologien Rhein-Ruhr sind unter www.zat.nrw verfügbar.

Bildlizenz: Christian.Ressel@hsrw.org. Die Bilder sind honorarfrei unter Nennung des Bildnachweises verwendbar. CC BY-SA 4.0

Was ist das ZAT?

Das Zentrum für Assistive Technologien Rhein-Ruhr (ZAT) erforscht, entwickelt und erprobt gemeinsam mit Praxispartnern digitale und kognitive Assistenzsysteme. Ziel ist es, Menschen mit Unterstützungsbedarf im Alltag zu stärken, Pflegekräfte zu entlasten und Teilhabe zu ermöglichen.

Das ZAT ist eine Kooperation von:

  • Hochschule Rhein-Waal
  • Hochschule Niederrhein
  • Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
  • Universität Duisburg-Essen

Als regionale Anlaufstelle verbindet das ZAT Forschung, Pflege und Sozialwirtschaft, Kommunen, Unternehmen sowie Menschen mit Unterstützungsbedarf und ihre Angehörigen. Es schafft gemeinsame Strukturen und verankert die Forschung der Hochschulen in der Region. Das ZAT wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Die aktuelle Förderphase läuft von November 2023 bis Oktober 2026 unter der Fördernummer PB22-076A.